Mercosur – ein nicht perfektes Abkommen mit großer Bedeutung
Letzte Woche wurde im Europaparlament darüber abgestimmt, ob der Handelsvertrag Mercosur dem Europäischen Gerichtshof zur Prüfung vorgelegt werden soll. Eine knappe Mehrheit aus allen Fraktionen stimmte für den Antrag, darunter auch 8 deutsche Grünen-Abgeordnete. Besonders peinlich: neben linken Fraktionen haben auch die rechten Parteien des EU-Parlamentes mit Freuden dafür gestimmt, um die EU als schwach darzustellen. Der Beschluss verschiebt die endgültige Verabschiedung des Vertrags um mindestens mehrere Monate und wurde von vielen Kommentatoren als Zeichen der Uneinigkeit in der EU kritisiert, was besonders fatal wirkt angesichts der Attacken auf den Welthandel durch die USA. Auch unser Ortsverband diskutierte das Thema.
Es gibt gute Gründe, das Abkommen kritisch zu sehen: Das Abkommen befördert den Export von Autoteilen, Chemikalien und Pharmaprodukten aus der EU nach Südamerika, umgekehrt den Import von Agrarprodukten wie Rindfleisch, Soja und Früchten in die EU, eine Konkurrenz auch für unsere Bauern in ENNE. Bei den Chemikalien geht es zum Teil um Pestizide, die in der EU verboten sind, die Landwirtschaft z.B. in Brasilien könnte auf Kosten des Regenwaldes ausgeweitet werden. Solche möglichen Folgen sind bei allen Handelsabkommen ein Problem, da diese einfach den Handel ermöglichen sollen, aber kein Land sich von den Partnerländern zu viele Vorschriften machen lassen will über seine internen Regeln und Gesetze. Die EU hat 25 Jahre mit den beteiligten Ländern verhandelt und dabei auch mehr Umweltschutz eingebracht, aber es bleibt vieles unvollkommen.
Dennoch: Angesichts einer Weltlage, in der Europa von allen Seiten machtpolitisch in die Ecke gedrängt wird und in der unsere wichtigste Stärke unsere Wirtschaftskraft ist, haben unsere Grünen Freunde im EU-Parlament da den gleichen Fehler wie viele Konservative, Sozialdemokraten und Liberale gemacht Das wird auch sowohl von den Grünen im Bundestag, als auch den meisten Grünen in Baden-Württemberg so gesehen. Cem Özdemir, Franziska Brantner und unsere Landtagsabgeordnete Fadime Tuncer haben sich klar geäußert. Deutschland und Europa müssen wirtschaftlich und politisch stark genug sein, um Demokratie, Umwelt und sozialen Zusammenhalt verteidigen zu können und braucht dazu Partner. (WH)
Neujahrsempfang Grüne Rhein-Neckar-Kreis: “ Kein Jahr zum Zurücklehenen und Wohlfühlen“

Beim Neujahrsempfang der Grünen des Neckar-Bergstraßen-Kreises hielten prominente Grüne aus der Bundes- und Landespolitik eine Rede: Franziska Brantner, Thekla Walker und Fadime Tuncer.
Franziska Brantner, die seit 2013 Bundestagsabgeordnete für unsere Region Heidelberg und Neckar-Bergstraße ist, wurde 2024 zur Bundesvorsitzenden für die Partei Bündnis 90/Die Grünen gewählt. Thekla Walker, seit 2016 Mitglied des Landtags von Baden-Württemberg für den Landtagswahlkreis Böblingen, ist seit 2021 die baden-württembergische Ministerin für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft. Und Fadime ist seit 2022 baden-württembergische Landtagsabgeordnete für unseren Neckar-Bergstraße-Kreis.

Fadime Tuncer sprach als erstes. Sie wies daraufhin, dass im Nachtragshaushalt des Landes Baden-Württemberg wurde – trotz der schwierigen Haushaltslage – beschlossen, dass 2/3 des Sondervermögens vom Land direkt zur Entlastung an die Kommunen weitergegeben wird für Infrastruktur und Klimafestigkeit. Für die 10 Kommunen des Rhein-Neckar-Kreises sind dies insgesamt 90 Mio. Euro. Zudem übernimmt das Land 68 Prozent der Betriebskosten für die Ganztagsbetreuung der Schulen bereitgestellt – ähnlich wie zuvor bei der Kleinkind-Betreuung. Auch wurde ein Entlastungspaket zum Bürokratie-Abbau geschnürt, das u.a. eine Vereinfachung der Bauvorschriften und Baugenehmigungsverfahren beinhaltet.
Die Weltpolitik zeigt: „Um unsere Demokratie müssen wir kämpfen!“ Extremisten wie auch die AfD zerstören die demokratische Ordnung. Zur Stärkung der Demokratie hat die grüne baden-württembergische Bildungsministerin Theresa Schopper dafür Gelder für die Schulen bereitgestellt, um die Medienkompetenz zu stärken. Um die Bürgerbeteiligung zu stärken, wurde schon früher Jahren das Quorum für Bürgerentscheide von 25 Prozent auf 20 Prozent gesenkt. 2025 wurden in Schriesheim und Dossenheim 2 Bürgerentscheide gegen Windkraft abgehalten und in beiden Fällen entschieden sich die Bürger*innen für die Errichtung von Windkraft-Anlagen. Dieser Prozess wurde von der Umweltministerin Thekla Walker über das von ihr gegründete Forum „Energiedialog: Energiewende begleiten – Kommunen beraten“ begleitet.
„2026 wird kein Jahr zum Wohlfühlen und Zurücklehnen“, so leitete Franziska Brantner ihre Rede beim Neujahrsempfang der Grünen-Kreisverbandes Neckar-Bergstraße ein. Trump glaube daran, dass alles käuflich ist oder militärisch erobert werden kann und er kämpfe weiterhin für die Vormachtstellung der fossilen Energie- und Industriekonzerne. Frieden und erneuerbare Energien hingen allerdings eng zusammen. Gas und Kohle machten Europa abhängig von Russland, aber mit jeder neuen Wind- oder Solaranlage werde Deutschland unabhängiger. Brantner lobte das Bündnis von Regionen für Klimapolitik, das bereits 2015 von Kalifornien und Baden-Württemberg gegründet wurde und mittlerweile 180 Regionen aus aller Welt umfasst. Auf der Konferenz in Belem haben Thekla Walker und der kalifornische Umweltminister eine Vereinbarung zur Vertiefung der Zusammenarbeit unterschrieben.
Europa müsse gegenüber den USA und den Tech-Konzernen jetzt Stärke zeigen, wie es China vorgemacht habe.
Kritik an der Bundesregierung: Die versprochene Entlastung bei den Strompreisen komme nur der Industrie zugute, nicht aber den Bürgerinnen und Bürgern, nicht den Kleinbetrieben. Das Sondervermögen für Infrastrukturinvestitionen sei von den Grünen mit ermöglicht worden, allerdings unter der Bedingung, dass diese zusätzlich erfolgen und auch dem Klimaschutz zugute kommen. Jetzt würden daraus aber reguläre Ausgaben finanziert, Wahlgeschenke wie Mütterrente und Senkung der Mehrwertsteuer für die Gastronomie. Die Fraktion der Grünen würde dagegen beim Verfassungsgericht klagen, aber leider wären für eine Organklage ein Viertel der Abgeordneten nötig.
Den Grünen Spitzenkandidaten Cem Özdemir lobte Brantner: Er bringe Regierungserfahrung mit und habe schwierige Situationen durchgestanden. Baden Württemberg habe als Ministerpräsidenten einen „Meister“ verdient und keinen „Gesellen“.

Thekla Walker beschrieb die Arbeit in der Landesregierung mit der CDU in den letzten 5 Jahren als extrem schwierig, aber auch sehr erfolgreich. Die Grünen konnten in der Regierung die Ziele des Koalitionsvertrages überfüllen. Man wollte die Voraussetzungen für 1000 Windräder schaffen, es gibt nun Baugenehmigungen für 1800. Die Energiewende sei nicht das Problem, sondern Teil der Lösung. Aber anderes komme noch hinzu: Wir können nicht mehr einfach verbrauchen, sondern müssen eine Kreislaufwirtschaft aufbauen. Es brauche den Druck ehrgeiziger Ziele für die Innovation.
Die Politik in Baden-Württemberg mache hier einen Unterschied. Ohne die Führungsposition der Grünen im Land wären diese Fortschritte nicht möglich gewesen. (AS/WH)
Das fängt ja gut an
Obwohl der Anfang des Jahres schon überschattet wurde durch tragische Ereignisse und politische Gewaltakte, lassen wir den Mut nicht sinken, sondern gehen mit Zuversicht ins Neue Jahr.
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Es gibt viel Ungewissheit, Gefahren drohen auf allen Ebenen: International wächst das Recht des Stärkeren gegenüber dem Völkerrecht, in der Klimapolitik stellt sich die Lobby der fossilen Energie offen gegen den Siegeszug der Erneuerbaren, in der Wirtschaft sind disruptive Veränderungen im Gange, die wir nicht aufhalten können und die unsere Arbeitswelt völlig verändern werden. Unsere Gesellschaft und unser demokratischer Staat werden von innen bedroht durch wachsende soziale Gegensätze und rechtsradikale Kräfte. Unser Rentensystem, Gesundheitswesen und das soziale Sicherheitsnetz müssen dringend reformiert werden. Bei den Wahlen in diesem Jahr steht der Demokratie eine schwere Belastungsprobe bevor. Baden Württemberg war bei einer grün geführten Regierung bisher in guten Händen. Es wurde viel getan für die Umwelt, für die Kommunen, für eine erfolgreiche wirtschaftliche Zukunft. Ob es mit einem CDU-Ministerpräsidenten so bleibt ist ungewiss. An dem Erbe der letzten CDU-Ministerpräsidenten knabbern wir bei Stuttgart 21 bis heute. Cem Özdemir ist schon jetzt einer der beliebtesten Politiker in Deutschland und er verspricht unser erfolgreiches Land auf Kurs zu halten.
Mit den Grünen ins Gespräch kommen, dazu ist unter anderem Gelegenheit beim Neujahrsempfang des Kreisverbandes von Bündnis 90/ Die Grünen am 10. Januar ab 18.30 in Dossenheim, Martin-Luther-Haus, Am Kronenburger Hof 6. Neben der Landtagsabgeordneten Fadime Tuncer können Sie dort auch der Bundestagsabgeordneten und Co-Vorsitzenden der Grünen, Franziska Brantner und der Landesministerin für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft, Thekla Walker begegnen. (WH)
Rückblick
Politisch hatten wir dieses Jahr wenig zu lachen, aber viel zu bewältigen. Im Rückblick hält man es kaum für möglich, was alles passiert ist: Pünktlich zu Trumps zweiten Wahlsieg platzte die Ampelregierung und Neuwahlen standen auf der Tagesordnung, Merz scheute sich nach dem Anschlag in Aschaffenburg nicht, die Unterstützung der AfD für einen symbolpolitischen Entschließungsantrag anzunehmen, der praktisch ohne Auswirkung blieb. Nachdem die Union die Wahl gewonnen hatte musste sie sich beeilen, noch mit den Mehrheiten des alten Bundestages ein riesiges Schuldenpaket zu ermöglichen, gegen alle Aussagen und Versprechungen vor der Wahl.
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Wir Grüne haben zugestimmt, weil wir wussten, dass riesige Investitionen notwendig sind, nicht nur für Klimaschutz, sondern auch für die Infrastruktur und die Bundeswehr. Wir setzten durch, dass klare Bedingungen für die Schuldenaufnahme festgelegt wurden: Geld aus dem Sondervermögen nur für Investitionen und 100 Millionen speziell für den Klimaschutz.
Der Regierung aus Union und SPD ist es nicht gelungen, deutliche positive Akzente zu setzen, die der deutschen Wirtschaft einen Aufschwung ermöglichen. Im Gegenteil: Investitionen werden zugunsten von Wahlgeschenken zurückgestellt, am „Herbst der Reformen“ ist Merz gründlich gescheitert.
Allerdings macht es uns die Weltlage auch nicht leicht. Der Populist im Weißen Haus sieht Europa als Feind, Russland als Verbündeten und unterstützt rechtspopulistische Parteien in Europa. Mit übertriebenen Zöllen und Drohungen sorgt er für Unsicherheit und Chaos im Welthandel. Die sozialen Auswirkungen der asozialen Medien und die ungeahnten technischen Möglichkeiten der künstlichen Intelligenz stellen alle Regierungen vor schwere Entscheidungen in einer Welt voller Krisen.
Trotz allem, im privaten Bereich geht es den meisten von uns noch gut, wenigstens wirtschaftlich. Ein paar hoffentlich ruhige Tage in der Weihnachtszeit können uns Kraft geben für die kommenden Wochen und Monate. Wir bleiben zuversichtlich und wünschen allen Mitbürgerinnen und Mitbürgern unserer Gemeinde eine erholsame und friedliche Weihnachtszeit und einen guten Start im Neuen Jahr. (WH)
Zur Bundesdelegiertenkonferenz von Bündnis 90 / Die Grünen in Hannover
In Hannover versammelten sich vom 28. bis zum 30.11.2025 800 Delegierte zur 51. Bundesdelegiertenkon-
ferenz. Aus unserem Kreisverband waren die Landtagsabgeordnete Fadime Tuncer und der Gemeinderat aus Edingen-Neckarhausen Robin Jacob als Delegierte vor Ort.
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Wie jedes Jahr wurden auch diesmal Beschlüsse gefasst, die unsere Position verkörpern. Kontrovers diskutiert und beschlossen wurde zum Beispiel ein Antrag, der fordert, dass gesetzliche Krankenkassen keine homöopathischen Leistungen mehr erstatten sollen. Außerdem positionierte sich die Partei gegen eine Chatkontrolle und für mehr digitale Souveränität, also Unabhängigkeit von großen amerikanischen Tech-Konzernen wie Meta und Google. Auch zur Außenpolitik wurde ein Antrag beschlossen: Wir stehen weiterhin an der Seite der Ukraine, für das Existenzrecht Israels und das Recht auf Selbstbestimmung der Palästinenser.Wir begrüßen die Wiederaufnahme der Musterung, setzen jedoch auf Freiwilligkeit. Um die finanziell gebeu-telten Kommunen, zu denen auch Edingen-Neckarhausen gehört, zu entlasten, wollen wir das Konnexitätsprinzip rechtssicher und verbindlich machen, damit in Zukunft gilt: Wer bestellt, zahlt! Der Bund muss die Mehrbelastungen, die den Kommunen durch Bundesgesetze entstehen, finanziell ausgleichen. Die Gemeinden sollen einen höheren Anteil an der Umsatzsteuer erhalten und Förderprogramme sollen vereinfacht werden.Ein Höhepunkt war die Rede unseres Kandidaten für das Amt des Ministerpräsidenten von Baden-Württemberg. Cem Özdemir erinnerte daran, dass Klima- und Umweltschutz nicht nur Themen für Grüne, sondern für die ganze Gesellschaft extrem wichtig und für den zukünftigen Erfolg der Wirtschaft in Baden-Württemberg entscheidend sind. (RJ)
Perspektiven für eine Verkehrswende
Für den Plan unserer Gemeinde, bis 2035 klimaneutral zu werden, ist auch eine grundlegende Veränderung im Nahverkehr notwendig. Die Landesregierung trägt bereits zur Finanzierung des ÖPNV bei, indem sie zum Beispiel jetzt unserer Gemeinde bei der Linie 5 hilft und unseren Haushalt dadurch um bis zu 500.000 Euro entlastet. Sie hat außerdem mit dem Landesmobilitätsgesetz eine neue Finanzierungs- und Planungsgrundlage für eine Verbesserung des ÖPNV geschaffen. Unser Rhein-Neckar-Kreis wurde dafür als Modellregion ausgewählt.
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Kernpunkt des Konzeptes ist der Mobilitätspass, der die Finanzierung des ÖPNV auf eine breitere Grundlage stellen soll. Die Städte und Landkreise können frei entscheiden, wie sie den Mobilitätspass ausgestalten wollen. Voraussetzung ist, dass zu den gängigen Verkehrszeiten bereits ein ausreichendes Angebot des ÖPNV zur Verfügung steht. Um ein zusätzliches attraktives Angebot zu finanzieren, dürfen die Kommunen entweder von den Fahrzeughalter:innen oder auch von allen erwachsenen Einwohner:innen einen Mobilitätsbeitrag erheben, der diesen auch als Guthaben zur Verfügung steht, um Fahrkarten zu erweben, z.B. auch das Deutschlandticket. So können die Kommunen zusätzliche Buslinien, so zum Beispiel eine bessere Anbindung der Ortsteile finanzieren.
Dafür gibt es auch in anderen Ländern Vorbilder: Sogenannte „Drittnutzerfinanzierung“ gibt es auch in Wien oder Paris, wo Arbeitgeber:innen zur Finanzierung beitragen. Die Begründung dafür ist, dass nicht nur die direkten Nutzer des ÖPNV vom Angebot profitieren, sondern auch andere Einwohner oder Autobesitzer, weil dadurch der Mangel an Parkplätzen und Staus vermieden werden.
Vorreiterkommunen haben auch schon Kritik geäußert: Freiburg und Karlsuhe vermissen die Möglichkeit einer Arbeitgeberabgabe.
Mit einem von allen Einwohner:innen finanzierten Mobilitätspass wäre niemand mehr darauf angewiesen, ein eigenes Auto zu besitzen, um mobil zu sein. Menschen mit geringem Einkommen sollten dabei selbstverständlich eine Ermäßigung erhalten. Ergänzend könnte die Nutzung von Carsharing als Bonus einfließen – ein Angebot, das zusätzliche Flexibilität schafft und individuelle Mobilität ohne eigenes Auto noch einfacher macht. (WH)
Macht Merz den Habeck?
Der „schlechteste Wirtschaftsminister aller Zeiten“ hat vielleicht doch nicht alles falsch gemacht. Friedrich Merz hat gleich nach seiner Wahl die „Schuldenbremse“ außer Kraft gesetzt um Investitionen und eine Stärkung der Bundeswehr zu ermöglichen. Die Senkung des Industriestrompreises, von Habeck vorgeschlagen, von der CDU zunächst als „Subventionismus“ abgekanzelt, wird nun im Koalitionsausschuss beschlossen. Ministerin Reiches Pläne für etwa 40 neue Gaskraftwerke reduzieren sich nun auf das vernünftige Maß, das schon Robert Habeck geplant hatte. „Welt“-Redakteur Robin Alexander hat bei Illner vorgeschlagen, Habeck mal eine Kiste Wein zu schicken. Es gibt ja kein Copyright auf grüne Ideen.
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/Offen ist noch die „Abschaffung des Heizgesetzes“, wie von Söder gefordert. Bauministerin Hubertz will es „neu erschaffen“ und Umweltminister Carsten Schneider (SPD) hat verkündet, dass das Gebäudeenergiegesetz im Grundsatz so bleiben werde. Alles andere wäre auch Unsinn, denn ohne die Wärmepumpe ist auch in unserer Gemeinde eine Reduzierung des CO2-Ausstoßes bei den Heizungen nicht zu schaffen.
Harald Lesch hat im Interview sehr klar ausgedrückt, was er von Verschiebung des Verbrenner-Aus, Technologie-Offenheit und Abschaffung des Heizungsgesetzes hält: „In keiner einzigen dieser Entscheidungen hat man das Gefühl, dass da jemand verstanden hat, worum’s hier geht, weder wirtschaftlich, noch ökologisch, noch technisch. Sehr häufig ist Technologieoffenheit (…) ein Ausdruck für technologische Ahnungslosigkeit. Gerade wenn es um die Wärmepumpe geht, muss ich sagen, ist die Wärmepumpe die beste Maschine, die die Physik anzubieten hat, da gibt es keine Alternativen…“
Er weist auch darauf hin, dass wir einen historisch einmaligen Übergang zu einer neuen Energiegewinnung und Technologie zu bewältigen haben, den China effizient geplant hat, bei dem wir aber im Hintertreffen sind. Hier müssen wir das Neue subventionieren, statt dessen subventionieren wir immer noch fossile Technik.
Jetzt noch den Flugverkehr zu unterstützen durch eine Senkung der Ticketsteuer, Verbrennermotoren noch länger zuzulassen, all das wird die Wende nicht aufhalten können. Es verhindert nur, dass unser Land vorne mit dabei ist. (WH)
Wenn gutes Rad zu teuer ist
Ab 01.01.2026 hat es sich in Edingen-Neckarhausen ausgeradelt, zumindest wenn es sich um Leihfahrräder handelt. Der Vertrag mit VRN Nextbike wird nicht verlängert, ab dem neuen Jahr hätte das Verleihsystem die Gemeinde mindestens 15.000,00 Euro gekostet, in der vergangenen Testphase hatte die Gemeinde lediglich die Stellplätze zur Verfügung gestellt.
100 Milliarden Sondervermögen für die Kommunen
Wie viel davon kommt bei uns an?
Das Geld aus dem „Sondervermögen“ fließt über die Länder zu den Kommunen, und auch die Länder haben ja zusätzlichen Investionsbedarf. Zwischen Bund und Ländern wurde vereinbart, dass 60 Prozent der Gelder an die Kommunen weitergereicht werden. Insgesamt handelt es sich für Baden-Württemberg um gut 13 Milliarden (für 12 Jahre), von denen die Landesregierung 8,75 Mrd. an die Kommunen weitergeben will. Das ist mehr als andere Länder planen, nämlich mehr als 66 Prozent. Pro Jahr sind das 729 Mio. Zusätzlich will das Land noch 550 Mio. Euro für dieses und nächstes Jahr für Investitionen der Gemeinden zur Verfügung stellen. Das wurde zwischen Land und Kommunen letzte Woche vereinbart.
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/Wie viel davon bei unserer Gemeinde landet, ist schwer zu sagen. Wenn man den bisherigen Anteil von Edingen-Neckarhausen an der Gesamtheit der Zuweisungen zu Grunde legt, dürften es pro Jahr mindestens eine halbe Million sein. Finanzminister Danyal Bayaz von den Grünen geht dabei angesichts der angespannten Haushaltslage an die Grenze des Möglichen. Aber er sagt: „Es ist Aufgabe der Politik dafür zu sorgen, dass der Staat funktioniert. Die finanziellen Probleme vieler Kommunen bekommen die Menschen direkt zu spüren. Deshalb werden wir die Kommunen erneut finanziell entlasten.“
Zusätzlich übernimmt das Land auch einen Anteil von 68 Prozent der Betriebskosten für Ganztagsschulen und fördert einmalig die Inklusion.
Das sind gute Nachrichten. Die grün-schwarze Landesregierung tut was sie kann. Aber man darf nicht vergessen, dass es sich bei dem Sondervermögen eigentlich um Schulden handelt, für die beim Bund ja dann auch Zinsen anfallen. Die Landeszuschüsse reichen auch sicher nicht, um den Haushalt der Gemeinde zu sanieren, der schon seit Jahren immer mehr in die roten Zahlen rutscht, weil immer neue kommunale Aufgaben hinzu kommen, aber zu wenig zusätzliche Einnahmen.
Die Anstrengungen von Verwaltung und Gemeinderat zu weiteren Einsparungen dürfen nicht nachlassen.
Und die Bundesregierung muss endlich selber ernst machen mit ihren Ankündigungen und große Reformen in Angriff nehmen, die den Bundeshaushalt entlasten und für sozialen Ausgleich sorgen. (WH)
Reiche Verstehen
In einem Internetseminar mit diesem Titel hat der Energieexperte Tim Meyer Katharina Reiches Energiepolitik unter die Lupe genommen. Die Ministerin hatte einen Monitoring-Bericht in Auftrag gegeben, der den Verlauf und Auswirkungen der Energiewende genau untersucht.
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/Das ist eine gute und wichtige Sache, auch unsere Gemeinde betreibt mit Hilfe des European Energy Award (EEA) ein wissenschaftlich unterstütztes Monitoring.
Der Bericht beschreibt die Energiewende, benennt Probleme, erstellt Prognosen für die Zukunft und gibt Empfehlungen. Leider greift Reiche nur die Aussagen des Berichtes auf, die ihr passen und interpretiert sie in ihrem Sinne. Es fängt schon an mit der Bedarfsprognose an. Sie geht vom unteren Rand der Vorhersage aus, was also passiert, wenn wenige Menschen E-Autos und Wärmepumpen nutzen und unsere Wirtschaft weiter stagniert. Das hilft dabei, ihr Bremsen der Energiewende zu begründen, ist aber eigentlich nicht wünschenswert. Wir hoffen doch zumindest darauf, dass unsere Wirtschaft wieder anspringt und dann auch mehr Strom braucht. Daher sagen die Fachleute, es genüge nicht, den Trend fortzuschreiben, sondern es seien zusätzliche Maßnahmen nötig. Kosteneinsparungen sind möglich durch Standardisierung, Optimierung der Lieferketten und durch Systemoptimierung, z.B. Verknüpfung von Solaranlagen und Batteriespeichern. Netzausbau ist notwendig, aber man durch gute Planung auch mit weniger auskommen.
In ihrem 10-Punkteplan ist nicht alles falsch. Fixe Vergütungen für Solarstrom müssen durch intelligentere marktgerechte Förderungen ersetzt werden. Mit Hilfe smarter Mess- und Regeltechnik ist das gut zu machen. Aber den Ausbau der Erneuerbaren zu bremsen, weil der Netzausbau zu teuer sei und dafür zusätzliches Geld in Gaskraftwerke zu stecken, ist ein Irrweg. Nur eine verlässliche Förderung der Erneuerbaren, auch durch Schaffung der nötigen Infrastruktur kann den kontinuierlichen Aufbau einer nicht fossilen Industrie sichern.
Das eingangs erwähnte sehr informative Webinar mit Tim Meyer und Sven Giegold können Sie auf Youtube nachträglich ansehen, es ist auf unserer Webseite verlinkt (siehe unten).
Mit Demonstrationen und Petitionen versuchen u.a. „Fridays for Future“ Druck auf die Regierung zu machen und die Energiewende weiter voranzutreiben. Auch aus Enne waren einige in Heidelberg und Mannheim dabei.(WH)
Landtagswahl in Baden-Württemberg am 8. März 2026

Fadime Tuncer hat vor drei Jahren ihr Mandat von Uli Sckerl übernommen, der nach kurzer schwerer Krankheit gestorben war und den sie als Ersatzkandidatin und als Mitarbeiterin schon jahrelang begleitet und unterstützt hatte. Am letzten Freitag wurde sie im Bürgerhaus in Heddesheim zur Kandidatin des Wahlkreises gewählt.
Fadime Tuncer ist 55 Jahre alt, bis zu ihrem 6. Lebensjahr in der Türkei aufgewachsen und 1975 ihren Eltern nach Deutschland gefolgt. Sie hat ihr Abitur am Ursulinen-Gymnasium in Mannheim abgelegt und dann in Mannheim und Heidelberg Jura, Politikwissenschaft und Soziologie studiert und als Magistra abgeschlossen. Seit 2000 hat sie die deutsche Staatsbürgerschaft. Sie ist verheiratet und hat zwei Kinder.
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/Seit 2009 ist sie Mitglied bei den Grünen und ebenso lange schon aktiv in der Kommunalpolitik als Gemeinderätin in Schriesheim und 13 Jahre auch als Kreisrätin. Ein Schwerpunkt ihrer politischen Arbeit sind die Integration Geflüchteter, die Unterstützung von Demokratiebewegungen z.B. im Iran und Verteidigung demokratischer Grundlagen in unserem Land. Dementsprechend hat sie in der Fraktion von Bündnis 90/DIE GRÜNEN Aufgaben als Sprecherin für Integration, die Betreuung der Gedenkstätten des Landes sowie Kriminalprävention und Bürgerdialog übernommen.
In ihrer Bewerbungsrede präsentierte sie sich als Brückenbauerin: zwischen Landespolitik und Kommunen, zwischen Bürger:innen und dem Staat, zwischen Ökonomie und Ökologie, zwischen verschiedenen Religionen und Kulturen.
Als Ersatzkandidat wurde Michael Haug gewählt, 1973 geboren, drei Kinder, Gemeinderat und Fraktionssprecher in Ilvesheim, führt den Kreisvorstand der GRÜNEN gemeinsam mit Tuncer. Er ist von Beruf Bankbetriebswirt und betonte in seiner Bewerbungsrede besonders die Verantwortung der GRÜNEN für Baden-Württemberg als Industrieland und dafür, die Industrie nachhaltig für die Zukunft aufzustellen. Als aktiver Gewerkschafter ist es ihm auch sehr wichtig, die Interessen der Arbeitnehmer:innen im Blick zu behalten, den sozialen Zusammenhalt im Land zu stärken.
Beide sind zuversichtlich, den Wahlkreis bei der Landtagswahl 2026 verteidigen zu können und wieder eine Mehrheit für eine grüne Regierung im Land zu erreichen. (WH)
TFA – eine Gefahr für unser wichtigstes Lebensmittel!

Landtagsabgeordnete Fadime Tuncer hatte zum Gespräch zum Thema Trinkwasser und PFAS sehr kompetente Gesprächspartner:innen geladen, auch im Publikum war viel Sachverstand versammelt und die Diskussion gab wertvolle Einblicke in das Thema.
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/Grundsätzlich einig waren sich alle, dass die Einleitung der „Ewigkeitschemikalien“ in den Neckar sobald wie möglich beendet werden muss. Dr. Ursula Schmollinger, Ärztin und Kreistagsabgeordnete, berichtete über die gesundheitliche Problematik dieser Chemikalien, die in Teflonpfannen, Outdoor-Jacken, Fastfood-Verpackungen ihre wasser- und fettabweisenden Eigenschaften und ihre extreme Stabilität zur Geltung bringen. Sie verbreiten sich in unserer Umwelt, reichern sich in Nahrungsmitteln an und beeinflussen Hormone, das Immunsystem im menschlichen Körper mit kaum kalkulierbaren Risiken. Dr. André Baumann hatte die undankbare Rolle, als Staatssekretär zu erklären, weshalb er nur auf rechtlicher Grundlage gegen die Chemikalien vorgehen kann und warum die Landesregierung die Einleitung von TFA durch die Firma Solvay in Bad Wimpfen nur um 90 Prozent reduzieren und nicht ganz unterbinden konnte. Er sieht die Lösung in Verordnungen der EU und im Eigeninteresse der Industrie, für die ein Verzicht auf PFAS einen Wettbewerbsvorteil darstelle. Der Buchautor und Journalist Gunter Haug redete Klartext und prangerte die Bundesregierung an, die im Koalitionsvertrag offen vereinbart hat, PFAS nicht zu verbieten. Von der Landesregierung forderte er, gegen die Firma Solvay vorzugehen, auch mit dem Risiko, vor den Gerichten eine Niederlage einzustecken. Der Industriestandort Deutschland sei nicht durch ein Verbot von PFAS bedroht, sondern durch die Schäden, die durch eine weitere Verschmutzung der Umwelt drohen. Das war auch die Auffassung von Uli Dreckschmitt von der OGL, der in der fortgesetzten Einleitung von TFA eine Abwälzung von Kosten auf die Allgemeinheit sah. Es sei nicht einzusehen, warum man das TFA nicht an der Quelle unterbindet, um es nachher mit immensen Kosten aus dem Abwasser zu filtern. Rolf Stahl von der OGL wollte wissen, warum nach einer Senkung der eingeleiteten TFA-Menge der Anteil im Wasser unserer Brunnen nicht sinkt. Das konnte Alfred Ewen, Trinkwasserfachmann der MVV, der im Publikum saß, gut erklären. (WH)
Schulsozialarbeit wird von den Grünen im Land unverändert gefördert
Die Linke behauptet auf Instagram, die Landesregierung, sprich das grün geführte Sozialministerium wolle „klammheimlich über eine Verwaltungsvorschrift“ die Förderung für die Schulsozialarbeit kürzen. Auch die SPD Ladenburg schließt sich dieser Behauptung an, ohne eine Quelle anzugeben.
Das stimmt nicht, teilt die grüne Landtagsabgeordnete Fadime Tuncer mit:
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/Es gibt keine Kürzungspläne des Landes. Das Land ändert weder etwas an der Gesamtförderung von ca. 45 Millionen Euro, noch an der Förderhöhe eines Vollzeitäquivalentes von 16.700 Euro.
Und ganz grundsätzlich: Das Land stellt jährlich fast 45 Millionen Euro für die Schulsozialarbeit an öffentlichen Schulen in Baden-Württemberg bereit, mehr als je zuvor. Diese Summe hat sich seit dem Jahr 2012 verdreifacht.
Damit werden die Kommunen gezielt unterstützt, um Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter an Schulen einzusetzen. Auch für die Zukunft ist keine Kürzung dieser Mittel vorgesehen.
Bislang wurden alle vollständigen Anträge der Kommunen an das Land genehmigt, d.h. dass das Land hier kontinuierlich massiv Mittel erhöht hat. Im aktuellen Schuljahr profitieren schon fast 80 Prozent aller öffentlichen Schulen von dieser Förderung. Bislang erfolgte die Förderung auf Basis sogenannter Fördergrundsätze. Das Sozialministerium wurde nun aber vom Rechnungshof und vom Landtag aufgefordert die Förderung zukünftig auf Basis einer Verwaltungsvorschrift vorzunehmen. Das Sozialministerium hat deshalb einen Entwurf einer solchen VwV formuliert und ein Anhörungsverfahren gestartet.
Das Sozialministerium hat allen betroffenen Akteuren bereits mitgeteilt, dass die Fördergrundsätze ein weiteres Jahr verlängert werden, d.h. es ändert sich erst einmal gar nichts.
Unser Ziel ist und bleibt es, die Schulsozialarbeit langfristig an allen öffentlichen Schulen zu etablieren.
(Fadime Tuncer MdL)